Sonntag, 10. August 2008

Das Ekelpaket

Markwort

Bei FOCUS.de legt Chefredakteur Helmut Markwort besonderen Wert auf Netiquette und löscht selbstverständlich jeden Kommentar, der sich eines unsachlichen Stils befleißigt bzw. den Respekt vor anderen Meinungen vermissen lässt. Natürlich werden dort auch demogogische oder diskriminierende Äußerungen gegen ihn andere nicht geduldet.

Höchstwahrscheinlich hatte der Presseclub der ARD heute Mittag solche Benimmregeln nicht, denn als Markwort den Links-Partei-Vorsitzenden Oskar Lafontaine in aller Unsachlichkeit als Ekelpaket bezeichnete, kam weder vom Moderator eine Bitte um Mäßigung, noch regte sich einer der Mitdiskutanten darüber auf. Höchstwahrscheinlich gibt es da mittlerweile eine amtliche Sprachregelung, die es jedem hergelaufenen Arsch erlaubt, über die Linkspartei und deren führende Mitglieder herabsetzend und beleidigend zu quatschen.

Nun trifft es sich natürlich gut, dass auch ich hier im Blog keiner Netiquette unterliege und deshalb gebe ich unumwunden zu, dass ich im Vergleich mit Lafontaine den fetten Markwort für das weit unangenehmere Ekelpaket halte. Einen bigotteren Heuchler als diesen vollgefressenen Strumpf vermag ich mir kaum vorzustellen und in Abwandlung seiner dämlichen FOCUS-Reklame gebe ich es Markwort gerne schriftlich:
Fuck you! Fuck you! Fuck you!

Schon wieder Olympiade

Sydney ist „gefühlt“ doch kaum vorbei, da schwimmen, schießen, rennen, hauen und stechen sie schon wieder. Diesmal in Peking (oder muss ich jetzt „Bejing“ sagen?) und genauso wie ich mich spontan an nichts mehr von der Sydney-Olympiade erinnere, genauso schnell wird auch Peking wieder vergessen sein. Kein Wunder bei der inflationären Vermehrung der sogenannten Sportgroßereignisse.

Vor Sydney gab’s die Spiele in Athen und ohne ins Lexikon zu schauen fällt mir auch dazu spontan nichts ein. Davor gastierte Olympia in Atlanta , wovon bei mir einzig die Begriffe Coca-Cola-Spiele und ein Bombenanschlag hängen geblieben sind und mit Barcelona 1992 assoziiere ich allein Monteserrat Cabale` und Freddy Mercury, obwohl das böse AIDS Letzteren schon ein Jahr vorher dahingerafft hatte. Ja, und davor Seoul 88: Großartige Bilder phantastisch aufgepumpter Athletenkörper von Ben Johnson, Carl Lewis, Florence Joyner-Griffith u.v.a. Seoul - DIE Dopingspiele der Neuzeit.

Los Angeles 84 und davor Moskau 1980 waren ja keine richtigen olympische Spiele, weil sich, zuerst in Moskau und dann vier Jahre später in Los Angeles, Kapitalisten und Kommunisten gegenseitig boykottierten. Zu Los Angeles fällt mir einzig „der Raketenmann“ ein und zu Moskau gar nichts, da im deutschen Fernsehen nur eine tägliche Kurzzusammenfassung der Ergebnisse gezeigt werden durfte. Von der Olympiade 1976 in Montreal ist mir einzig erinnerlich, dass den Kanadiern das Geld für den Stadionbau ausgegangen ist und die Spiele deshalb in einem unvollständigen Provisorium durchgeführt wurden.

München 72 ist natürlich noch sehr präsent, zum einen weil diese Spiele in Deutschland stattfanden und zum anderen wegen des Entsetzens, den der brutale Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf israelische Sportler und das blutige Ende des Geiseldramas weltweit ausgelöst hat. Aber auch an die sportlichen Ereignisse erinnere ich mich noch recht genau und Namen wie Mark Spitz, Heide Rosendahl, Ulrike Mayfarth, Heinz Wolfermann oder Wilfried Dietrich ( „Kran von Schifferstadt“) fallen mir bei „München72“ sofort ein.

Komischerweise werden die Erinnerungen an olympische Spiele immer intensiver, je weiter ich in die Vergangenheit zurückblicke. Möglicherweise liegt das am Alter, weil mit beginnender Demenz das Kurzzeitgedächtnis rapide nachlässt, lange zurückliegende Ereignisse aber immer klarer aus dem Nebel des Vergessens hervortreten. Daran allein aber liegt es nicht, dass ich mich an die an die Olympiade in Mexico-City 1968 so lebhaft erinnere. Nein, es waren die guten Fernsehbilder aus Mexiko, welche die Menschen faszinierten. Direkte TV-Übertragungen aus Übersee waren erst seit wenigen Jahren möglich und das Farbfernsehen war gerade mal seit einem Jahr in Deutschland eingeführt. Außerdem wurden auf Grund der Höhenlage von Mexico-City ( 2300 m ü.M) außergewöhnliche sportliche Ergebnisse möglich. Weltrekorde in fast allen Leichtathletik-Wettbewerben, die Jahrzehnte bestand hatten. Z.B. der unglaubliche Weitsprungweltrekord ( 8,90 m) des Amerikaners Bob Beamon oder der Sieg mit Weltrekordhöhe des US-Hochspringers Dick Fosbury, dessen, neuer Sprungstil, der „Fosbury-Flop“ den Hochsprung revolutionierte. Und dann waren da noch die hochgereckten, schwarz behandschuhten Fäuste der beiden schwarzen US-Läufer, die auf dem Siegerpodest gegen die Rassendiskriminierung in den USA und für Black Power demonstrierten.

Auch die Spiele in Tokio 1964 wurden bereits via Satellit übertragen, jedoch waren die Bilder noch etwas getrübt und das ist auch meine Erinnerung an diese Olympiade. Allerdings ist der Zehnkampfsieg von Willi Holdorf samt den Bildern des, am Ende des abschließenden 1500m-Laufs, völlig erschöpft über die Ziellinie wankenden Athleten immer mit Tokio 64 verbunden.

Die Spiele in Rom 1960 habe ich intensiv im Radio verfolgt. Ein Fernsehgerät besaßen meine Eltern noch nicht. Aber den Siegeslauf von Armin Hary über 100 m, die gazellenhafte Leichtigkeit des Laufstils der Wilma Rudolpf über 100 und 200m habe ich dennoch live bewundern können, denn in unserer Nachbarschaft gab es Freunde, deren Eltern sich schon einen Fernseher leisten konnten.

Zu jener Zeit war auch die Wochenschau, die Fox tönende tärätätä tä tä, die im Vorprogramm jeder Kinovorstellung lief, ein wichtiges Informationsmittel, wo natürlich auch über die olympischen Spiele berichtet wurde, und Bilder von der Olympiade in Melbourne 1956 bekam man nur dort zu sehen. Da war ich aber erst zehn Jahre alt und deshalb kann ich mich an Bilder nicht mehr erinnern. Einzige Ausnahme, der unter Schmerzen zum Sieg reitenden Hans Günther Winkler auf seiner legendären Stute Halla. Den Ritt habe ich mehrfach gesehen, aber höchstwahrscheinlich erst Jahre später. Hier spielt mir die Erinnerung bestimmt einen Streich. Dass die Reiter 1956 statt in Australien in Stockholm, in Schweden, geritten sind, ist aber auch noch so eine Besonderheit, die mir zu Melbourne 56 spontan einfällt.

Zu Helsinki 1952 fallen mir nur 2 Namen ein, Emil Zatopek und Herbert Schade, beides Langstreckenläufer, der erste Tscheche der zweite ein Deutscher, und ich erinnere mich dass wir als Kinder oft Zatopek gegen Schade spielten. Wie weit dies auf die Olympiaberichterstattung im Radio zurückzuführen war, kann ich beim besten Willen nicht mehr beurteilen.

Ich gehe jede Wette ein, dass trotz Rundumversorgung mit Fernsehbildern aus Peking nach den Spielen kein einziger Name eines Sportlers im kollektiven Bewusstsein verankert sein wird. Niemand, von Fachleuten abgesehen, wird sich schon eine Woche nach der Abschlussfeier noch an irgendeinen Sieger erinnern können. Und ganz sicher werden nach den Spielen nirgendwo auf der Welt Kinder „Phelps“ gegen „van den Hoogenband“ spielen.

Donnerstag, 7. August 2008

Telekom kills the video star

Da ist es doch der Telekom tatsächlich gelungen das Nessun-Dorma-Video des Paul-Potts-Auftritts so zu zerschnibbeln, dass genau jene Emotionalität, die das YouTube-Original so berührend macht, vollkommen auf der Strecke bleibt. Ein öder Werbespot bei dem nicht mal die Werbebotschaft richtig klar ist. Reife Leistung, da man ja annehmen darf, dass es gerade dieses meisterhaft inszenierte Gefühlsfeuerwerk des YouTube-Clips ist, welches die, wie auch immer geartete, Werbebotschaft transportieren sollte.
Na und, ist doch egal? Stimmt!

Dienstag, 5. August 2008

Zuma -Prozess hat begonnen

Jacob ZumaGestern begann in Pietermaritzburg, der Provinzhauptstadt KwazuluNatals und ca. 100 km entfernt von Durban, der Prozess gegen den ANC-Präsidenten Jacob Zuma wegen Verdachts auf Korruption. Aus diesem Anlass sendete die Tageschau gestern Abend einen zusammenfassenden Bericht, der die politische Situation hier in Südafrika weitgehend korrekt darstellte. Ergänzend dazu findet man bei Tagesschau. de ein Interview mit dem ARD-Korrespondenten Richard Klug, dessen recht sachliche Darstellung und Einschätzungen der Lage am Kap mit meinen Beobachtungen und Überlegungen ziemlich genau übereinstimmen.

Einzig die im Interview geäußerte Befürchtung, dass Südafrika eine ähnliche Entwicklung wie Zimbabwe nehmen könnte, sie wird hier übrigens auch von vielen Weißen geäußert, vermag ich nicht zu teilen. Hier in SA sind die wirtschaftlichen Verflechtungen mit der globalen Ökonomie viel ausgeprägter, die Infrastruktur um ein vielfaches besser und die politisch-demokratischen Standards mittlerweile doch ziemlich verinnerlicht. Dem mögen die Gruselfotos von xenophobischen Gewaltexzessen, oder knüppelschwingenden Zuma-Unterstützern widersprechen, aber diese Bilder zeigen nur eine verschwindende Minderheit. Und weil sie so schön gruselig sind, wird auch der sachliche Tagesschau.de-Bericht damit illustriert.

Sonntag, 27. Juli 2008

FIFA-Woldcup 2010: Es geht voran!

Moses-Madhiba-Stadium, Durban
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Baufortschritt: 26.7.2008 
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(high solution)Durban, so soll's 2010 aussehenDa der Neubau des Fußballstadions für die Weltmeisterschaft 2010 in Durban so ein beeindruckender Brocken ist, habe ich es gestern mal als Panorama fotografiert und das kann man jetzt hier im Großformat anschauen und dazu noch eine Fotovision, wie’s am Ende ausschauen soll. Übrigens, der gerade im Bau befindliche riesige Bogen wird begehbar sein und öffentlich zugänglich. Die Höhe verspricht dem Besucher einen phantastischen Blick über die Stadt und den indischen Ozean.

Montag, 21. Juli 2008

Weltrekordversuch

Das Guinness-Buch der Rekorde ist die weltweit bedeutendste Sammlung von Rekorden und Kuriositäten und mit dem Bekanntheitsgrad des Buches stiegen die Bemühungen um einen Eintrag ins Inflationäre und gerieten immer alberner. Letzten Samstag durften wir so einen „Weltrekordversuch“ hier bei uns an der Southcoast erleben.

Wozani-Events in Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Kulturverein lud nach Port Edward ein zum Umtavuna Portuguese Carnival und als Hauptattraktion galt es einen neuen Weltrekord für Seafood-Buffets aufzustellen. Dem bisherigen Rekordhalter, dem Kuwait Tourism-Board, war es gelungen, in der vorgegebenen Zeit von 6 Stunden 1667 kg Meeresgetier restaurantmäßig zuzubereiten und zu verfüttern. Hier an der Southcoast sollten nun 2 Tonnen gekocht, gegrillt, gedünstet und verzehrt werden. Als Eintrittsgeld wurden 40 Rand verlangt, ca 3,50 Euro, und dafür bekäme man Seafood bis zum Abwinken. „Au ja, da gehen wir auch hin!“ und mit uns dachte sich das wohl die Gesamtbevölkerung der Küste, jedenfalls habe ich hier noch nie so viele Menschen an einem Ort gesehen.
Plakat für WeldrekordversuchVorbereitung VorbereitungAnstehen am BuffetAnstehen am Buffet
Ob der Rekordversuch erfolgreich war, kann ich jetzt aber nicht sagen, denn als das Buffet um 11 Uhr eröffnet wurde bildeten sich in minutenschnelle zwei ca. 100 m lange Schlangen von Menschen, die in Vierer- oder Fünferreihen von rechts und von links dem Buffet zustrebten, nein, zuzustreben versuchten, denn eine Vorwärtsbewegung war mit bloßem Auge nicht auszumachen. Da diese Schlangen sich als permanent herausstellten und wir uns mit dem, im anglophilen Umfeld so beliebten, „Queueing“ so gar nicht anfreunden mochten, von 2 Stunden!! Anstehzeit wurde berichtet, haben wir zwar den sonnigen Tag, die Musik und die Folkloretänze der Portugiesen, die quirlige Atmosphäre und auch ein paar Drinks genossen, wurden dabei allerdings immer hungriger.
Die waren erfolgreich am Buffet Portugiesische FolkloreZuschauerSouthcoast Rockervon Durban nach Hamburg ( fuhr gerade vorbei)
So verließen wir dann das Fest lange vor Buffetschluß um 17.00 Uhr, um uns im „Blue Lagoon“ in Ramsgate Meeresfrüchte von freundlichen Kellnerinnen servieren zu lassen. Ob der Weltrekordversuch erfolgreich war, kann ich, wie schon oben erwähnt, nicht sagen. Wenn’s wirklich jemanden interessieren sollte, so muss er die nächste Neuauflage des Guinness-Buches erwerben. Ich werd’s nicht tun und auch hier kein Wort mehr darüber verlieren. Versprochen!

Samstag, 19. Juli 2008

And if you come to San Francisco…

Oceanside Klärwerk…be sure you meet some gentle people there. Jedenfalls ist die Bürgerinitiative zur Umbennung des „Oceanside Water Pollution Control Plant“, also des Abwasserklärwerks, in „ Georg W. Bush Sewage Plant“ eine absolut begrüßenswerte Aktion und ich bedauere zutiefst, dass ich nicht unterschreiben darf. Wenn man der Meldung bei Tagesschau.de glauben darf, so hat diese Initiative gute Erfolgschancen und bei der Umbenennungszeremonie wäre ich nur zu gern dabei. Zwar betonen die Betreiber der Anlage, sie betrieben eine Anlage der Spitzenklasse, die sich noch keine Sauerei zu Schulden hat kommen lassen und die deshalb die Umbenennung in „Georg W. Bush Klärwerk“ nicht verdiene, aber kleinmütige Bedenken müssen zurückstehen. Hier kann es nur heißen: Ehre wem Ehre gebürt.

Montag, 14. Juli 2008

Who is who?

Höchstwahrscheinlich bin ich zu neugierig, aber wenn es im fernen Palo Alto in Kalifornien einen regelmäßigen „Tief im Süden“-Leser gibt, dann frage ich mich natürlich, wer das sein könnte. Er/sie wird deutschsprachig sein und mich höchstwahrscheinlich kennen. Frage: Wen kenne ich, der in Palo Alto leben könnte?
Dort ist die Stanford University, da hätte ich einen Verdacht, aber die Klicks kommen über den Server von Agilent Technologies. Trotzdem: Flo – bist Du das? Du oder derjenige/diejenige welcher/welche kann mir ja mal ne e-mail schreiben. Die Adresse steht auf der rechten Seite. Wenn’s aber die CIA ist, oder sonst ein Auswertungscomputer der unseligen Bush-Admistration – die brauchen mir nicht zu schreiben.

Sonntag, 13. Juli 2008

Kaum vorstellbar,...

...dass in einer deutschen Nachrichtensendung ein Clip über das symbolische Bäumchenpflanzen der G8- Regierungschefs in Japan u.a. folgendermaßen kommentiert würde:

...“fast bezeichnend: George W. Bush auch hier ziemlich ratlos!“
Bush ratlos

Für den ÖRF in der ZiB heute um 13.00 Uhr via 3sat war das kein Problem und wo die österreichischen Nachrichtenmacher recht haben, da haben sie recht. Einfach eine Klasse für sich – die „Zeit im Bild“ des österreichischen Fernsehens.

Mandelas Erben

In den letzten Wochen oder Monaten konnte man in den Begleitschreiben von Gregor Keuschnig einige interessante Beiträge und Überlegungen zum System der Demokratie lesen, die für mich solange nachvollziehbar oder bedenkenswert sind, solange ich mich, zwar seit einigen Jahren in Afrika lebend, aber geistig-kulturell nach wie vor in Europa verwurzelt empfinde. Sobald ich aber einen südafrikanischen Blickwinkel einnehme, scheinen all die aufgeworfenen Fragen und Überlegungen eher müßig und irrelevant, obwohl Südafrika ein im besten Sinne des Wortes demokratisch verfasster Staat ist.

Mbeki and ZumaOne man, one vote – frei und geheim, das ist hier bei Wahlen absolut gegeben, es gibt regionale und kommunale Organisationen, die demokratisch gewählt und in denen Entscheidungen demokratisch beschlossen werden. Und trotzdem verspürt man kaum politisches Interesse, weder in den Medien und schon gar nicht in der Bevölkerung. ja, eher ein Gefühl von Resignation bei den Weißen und weitgehendem Desinteresse bei der schwarzen Bevölkerung. Zu betoniert sind hier die Mehrheitsverhältnisse, Opposition findet zwar verbal statt, ist aber völlig macht- und belanglos, weil, von vernachlässigbaren Ausnahmen abgesehen, Schwarz schwarz, sprich den ANC, und Weiß weiß, die DA, wählt. Die Stimmenanteile entsprechen dann dem Bevölkerungsverhältnis, 9 : 1 für den ANC. Das ist auch der Grund, warum jetzt schon feststeht, dass der nächste Präsident Südafrikas Jacob Zuma heißen wird, obwohl dieser Mann in zahlreiche Korruptions- und sonstige Affären verstrickt war und ist, aber halt auch seit einem halben Jahr Parteivorsitzender des ANC.

Natürlich darf sich die weiße Bevölkerung nicht über diese Verhältnisse beklagen, hat sie doch durch die Jahre der Apartheid die Bildung der Parallelgesellschaften befördert und zu verantworten. Der weiße Rassismus ist unter der Oberfläche nahezu unverändert virulent, aber mittlerweile gibt es auch Anzeichen für einen schwarzen Rassismus, bzw. eine ziemliche Überheblichkeit mancher Schwarzer, die durch die Umkehrung der Machtverhältnisse in gehobene und höchste Positionen gelangt sind.

Nelson MandelaDiese Arroganz der Macht hat aber für die jeweiligen Protagonisten keine negativen Auswirkungen und findet im Wählerverhalten keinen abstrafenden Niederschlag, weil die in europäischen Demokratien übliche Aufteilung in zwei etwa gleichstarke linke und rechte Lager in der südafrikanischen Gesellschaft durch das oben erwähnte 9 : 1 –Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß gebildet wird. Da die Mehrheit der schwarzen Wähler kaum lesen und schreiben kann, ist eine auch nur halbwegs abgewogene Wahlentscheidung nicht zu erwarten, zumal der ANC alle gesellschaftlich relevanten Schaltstellen bis in die kleinsten Verästelungen besetzt hat. Die südafrikanische Demokratie ist mit den demokratischen Systemen Europas zwar formal, in der Praxis aber überhaupt nicht zu vergleichen.

Am Beispiel Zimbabwes, diesem ebenfalls absolut demokratisch verfassten, nördlichen Nachbarstaat Südafrikas lässt sich ermessen, wie sehr die Demokratie hier einzig vom Goodwill der jeweiligen Machthaber abhängt. Dieser gute Wille ist z.Zt. in Südafrika noch gegeben, aber das Eis ist sehr, sehr dünn. Ob es auch nach Mandela noch trägt?

Tief im Süden

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